Der Ausruf "Kölle Alaaf"
Kölle Alaaf ist zum ersten Mal schriftlich, in einer Bittschrift an den Kölner Kurfürsten, um das Jahr 1635 belegt. Das Wort Alaaf stammt vom altkölnischen Begriff all af ab. Kölle Alaaf bedeutet daher soviel wie "Köln vor allem (Anderen)!"
Der Unterschied
Der Kölner Karneval basiert, wie auch alle anderen Arten des Karneval, auf religiösen Ursprüngen. Das Wort "Karneval" leitet sich nicht von dem lateinischen Ausdruck "carne vale" (Fleisch lebewohl) ab, wie oft fälschlicherweise behauptet wird. Schon die Römer veranstalteten farbenprächtige Umzüge, bei denen ein geschmückter Schiffswagen, der „carrus navalis“, mitgeführt wurde. Daraus bildete sich die Bezeichnung Karneval. Die Römer kannten den Aschermittwoch und die Fastenzeit, der das „carne vale“ vorausgeht, noch gar nicht. Der Aschermittwoch mit seinen Bußübungen kam erst im christlichen Mittelalter auf. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied, der den Kölner Karneval von allen anderen Arten des Karneval unterscheidet - das Desinteresse an aktueller Politik. Das Rheinland, speziell Köln, ist bekannt für seine offenherzigen und kontaktfreudigen Menschen. In Köln ist man seiner Stadt ("ming Hätz un Siel" - mein Herz und Seele) sehr verbunden. Der Kölner an sich liebt seine Stadt mit dem Dom und den vielen Brauhäusern über alles. Feiern und Trinken ist weitestgehend politisch unmotiviert (ganz im Gegensatz zum Mainzer Karneval) und eher ein Ausdruck unbändiger Lebensfreude und Lokalverbundenheit.
Kölner nehmen gerne Imis (mit nur einem m (!), imitierte Kölner, im Gegensatz zu den echten. Für Alteingesessene ist man erst Kölner wenn bereits die Grosselterm in Köln geboren wurden.) beim Feiern auf und es gibt keinen Unterschied zwischen arm und reich. Nicht umsonst hat sich kölsches Liedgut gebildet wie "Drink doch eine met" (Bläck Fööss) oder "Der treue Husar" ([Volksweise 1825 aufgezeichnet -> http://ingeb.org/Lieder/dertreue.html ]). Es werden viele Dinge thematisiert wie der Zusammenhalt im "Veedel" (Stadtteil), Ausländerintegration und natürlich die Liebe und der Alkohol (vor allem beides in Verbindung).In den neunziger Jahren hat sich der Kölner Karneval in Deutschland herumgesprochen und ist seit dem immer weiter zur touristischen Attraktion geworden. Analog des Münchener Oktoberfestes werden jetzt auch vermehrt Reisen zum Karneval angeboten und Karnevalshits wie "Viva Colonia" von den Höhnern sind fester Bestandteil von kommerziellen Aprés Ski oder Ballermann Musik-CDs.Leider hat diese Entwicklung nicht nur positive Seiten, denn seit es sog. Alcopops gibt, werden auch die Alkoholopfer am Straßenrand sowie gewalttätige Auseinandersetzungen, beides hauptsächlich unter Jugendlichen, wieder mehr.
Ausfälle
Nicht nur lustige Karnevalisten fallen manchmal aus (oder um), sondern auch der ganze Rosenmontagszug. In der Geschichte Kölns fiel der Zug seit 1823 mehrfach aus, zuletzt während des Zweiten Golfkriegs. Überhaupt waren Kriege der Hauptgrund für Ausfälle. Der Deutsch-Französische Krieg sorgte 1871 für leere Straßen. Auch 1915-1926 kam durch Krieg und die französische Besetzung des Rheinlandes kein Umzug zustande. 1940-1949 waren der Zweite Weltkrieg und das anschließende Verbot durch die Militärregierung verantwortlich für die Ausfälle.
Im zweiten Golfkrieg 1991, als andernorts aus Anteilnahme der Rosenmontagszug abgesagt wurde, die Mainzer und Düsseldorfer rücksichtsvoll auf den Zug verzichteten, und auch das Festkomitee Kölner Karneval verständlicherweise keinen Zug veranstalten wollte, konnten es einige Kölner nicht bleiben lassen und machten sich unter dem Motto Kamelle statt Bomben spontan auf den Weg. Bei dieser Gelegenheit wurde der Geisterzug wieder eingeführt. Grabenkämpfe innerhalb des Festkomitees sorgten 1833, 1844, 1851, 1856 und 1857 für Absagen.
Die Weltwirtschaftskrise stoppte 1931 und 1932 den Zug.Die Narren in Köln gelten zwar als wetterfest, 1868 muss es aber ein wirklich schlechtes Wetter gewesen sein.Ein Trauertag für den Tod von König Friedrich Wilhelm IV. sorgte 1861 für tote Straßen in Köln. Und gar verboten wurde er 1830 von den Preußen.Der einzige Rosenmontagszug an einem Sonntag kam wegen der Reichstagswahlen 1887 zustande.
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